Marcus Hawel, Zum 60. Jahrestag der Gründung des Staates Israel. Versuch, uns und anderen Israel von "außen" zu erklären [ Mai 2008 ]
Der Zionismus apostrophiert den Staat Israel als "Judenstaat", der mit der Shoah des europäischen Judentums historisch und kausal verkettet ist, denn die Staatsgründung ist zumindest durch den Massenmord an den europäischen Juden beschleunigt worden, wenn nicht überhaupt erst dadurch zustande gekommen. Die Shoah ist gleichsam zur "raison d'être der nationalen jüdischen Heimstätte" geworden. Aber es gilt dennoch Judentum, Zionismus und Israel begrifflich, praktisch und lebensweltlich zu unterscheiden.
Moshe Zuckermann, Die Logik der Okkupation. Eine Diskussion [ Mai 2002 ]
Seit Monaten kommt es im Nahen Osten zu immer neuen Eskalationen: Selbstmordattentaten und anderen Anschlägen in israelischen Städten folgen regelmäßig Vergeltungsaktionen der israelischen Armee. Nicht erst die Anschläge auf Synagogen in Frankreich, Tunesien oder Deutschland und die Angriffe auf in Europa lebende Jüdinnen und Juden haben deutlich gemacht, dass der Nahostkrieg nicht regional beschränkt ist.
Moshe Zuckermann, Vielerlei Holocaust?. Teil II einer Diskussion mit dem israelischen Historiker Moshe Zuckermann [ Juli 2002 ]
Auf der einen Seite ist es Idiotie, wenn man abstrakt das Existenzrecht Israels wegdiskutiert. Begriffe wie Imperialismus, Zionismus und Rassismus werden da häufig sehr schnell vermengt und dann stellt sich heraus, dass Israel eigentlich kein Existenzrecht habe. Auf der anderen Seite tut man Israel auch mit einer unbedingten und fast schon mechanischen Solidarität um jeden Preis keinen Gefallen. Ich habe das Gefühl, dass beides eher mit deutschen Befindlichkeiten zu tun hat als mit der nahöstlichen Realität. Also: Ihr Problem hier ist ein Problem, dass wir als Ihr Problem hier debattieren können. Aber die Realität im Nahen Osten verlangt, dass sie Maßstab der Betrachtung ist und nicht projizierte Befindlichkeiten.
Johan Galtung/Dietrich Fischer, A Peace Proposal for the Middle East. [ November 2001 ]
An Israeli proverb says, "the only way to get rid of your enemies is to make them your friends." That is not happening now. For Israel and Palestine there is no security at the end of this road of violence, only increased violence and insecurity. What is needed to escape from the present quagmire is a clearly articulated, attractive vision of a better future.
Dimitris Pavlopoulos, Es gibt eine Grenze. Interview mit Dan Tamir von Yesh-Gvul, einer Organisation zur Unterstützung von Soldaten, die den Kriegsdienst in den besetzten palästinensischen Gebieten verweigern [ September 2002 ]
Als Mensch bin ich nicht bereit, Gewalt gegen unschuldige Menschen auszuüben. Zudem weiß ich, daß ich in diesem Konflikt zur stärkeren Seite gehöre. Und weil ich zur stärkeren Seite gehöre, mußte ich als erster aufhören.
Thomas Binger, Die Möglichkeit des Schlimmsten. Interview mit Gerhard Scheit über Israel-Solidarität, islamistische Rackets und Antisemitismus [ September 2002 ]
Im Rahmen der Konferenz »Es geht um Israel« riefen Anfang Mai 2002 in Berlin »antideutsche Gruppen« zur bedingungslosen Solidarität mit Israel auf. Gibt es für die Linke keine andere Option, als das Vorgehen der aktuellen israelischen Regierung kritiklos zu unterstützen?
Thomas Uwer und Thomas v. der Osten-Sacken, Vom Klassen- zum Massenkampf. Die Ziellosigkeit der Intifada spiegelt das Scheitern des arabischen Nationalismus [ Februar 2002 ]
Sechzehn Monate nach dem Ausbruch der sogenannten Al-Aqsa-Intifada sind die Palästinenser weiter von einem eigenen Staat entfernt als je zuvor. An internationaler Solidarität halten mit wenigen Ausnahmen nur diejenigen fest, denen es bei der Palästinafrage ohnehin immer nur um die Juden ging oder die sich im Nahen Osten als Alternative zu den USA profilieren wollen. In der Hinwendung der zweiten Intifada zu den heiligen Stätten des Islam spiegelt sich nicht nur die Islamisierung der palästinensischen Gesellschaft, sondern vielmehr das Scheitern politischer Konzepte, die eine erreichbare bessere Zukunft versprachen. An ihre Stelle ist aussichtslose Gewalt getreten.
Achim Rohde, Schrecken ohne Ende. Krieg und Terror in Israel/Palästina [ Mai 2002 ]
Bei der schrittweisen Eroberung sämtlicher palästinensischer Bevölkerungszentren handelt es sich ungeachtet aller offiziellen Verlautbarungen um mehr als eine zeitlich begrenzte Polizeiaktion. Ziel ist die militärisch abgestützte Umstrukturierung des sraelischen
Kontrollsystems.
Thomas Käpernick, Keine Stigmatisierung Israels. [ Januar 2001 ]
Mit dem Beginn der al-Aqsa-Intifada demonstrierten in Frankreich, Belgien, England, Deutschland und vielen anderen Ländern Menschen ihre Solidarität mit den Palästinensern auf besondere Art: Sie warfen Steine und Brandsätze auf Synagogen, schändeten jüdische Friedhöfe, beschimpften, attackierten und verletzten Juden und Jüdinnen. Ziel dieser Angriffe war nicht der israelische Repressionsapparat. Vielmehr drückte sich in ihnen ein Antisemitismus aus, der zur Elimination all dessen, was er als jüdisch ansah, aufrief: 'Bringt die Juden um!' lautete eine der Parolen.
Christoph Seidler, Palästinenser sind keine Unmenschen. [ Januar 2001 ]
Auf die Ereignisse der letzten Wochen und Monate im Nahen Osten hat ein Teil der deutschen Linken mit einer Position reagiert, die sich während des 2. Golfkriegs schon angedeutet hatte: Gefordert wird die 'bedingungslose Verteidigung des Staates Israel und seiner nationalen Interessen'.
Sven Oliveira Cavalcanti, Sartre und Israel - Teil 1. Die Folgen von Auschwitz - Vor der Gründung Israels [ Mai 2004 ]
Sartre hatte ein seltsames Kunststück vollbracht: Er wurde von palästinensischer Seite ernst genommen und geachtet und ebenso von jüdischer. Und dies trotz seiner kaum faßbaren Radikalität - es war derselbe Sartre der Verständnis für die Geiselnehmer von München 1972 äußerte und den Palästinenser ein Recht auf Widerstandes einräumte, derselbe Autor der "Überlegungen zur Judenfrage", derselbe der 1975 gegen die UN-Resolution, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzte, heftigst protestierte und schrieb: Rassismus ist die Frage, worauf sich der Zionismus gründet. In Zeiten, da sich die politische Wirklichkeit entwurfs- und utopieloser denn je zeigt, lohnt ein Rückblick auf die Positionen Sartres und darauf, wie er denn das Kunststück fertig brachte, trotz seiner Akzeptanz der politischen Gewalt ein gehörter und geachteter Diskutant von Palästinensern und Israelis zu bleiben.
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