Herbert Marcuse - Zum 25. Todestag.
Im Jahr 1979 starb Herbert Marcuse in Deutschland. Zuvor war er im Frühling nach Frankfurt zurückgekehrt, um an den Römerberggesprächen teilzunehmen. Bis zum Schluß blieb er seiner Linie treu: "Es geht um jeden Einzelnen und die Solidarität von einzelnen; nicht nur um Klassen und Massen." Daß Marcuse ausgerechnet in Deutschland starb, jenem Land, dem er nach seiner Vertreibung den Rücken kehrte und nicht in seiner Wahlheimat USA, mag die Rache des Weltgeistes gewesen sein, dem er in die Nüstern spucken wollte.
Die linke Frage.
Man denke sich für einen Moment den ganzen Plunder beiseite: Ein Militär, welches menschliche Arbeitskraft in solchem Maße und solcher Nutzlosigkeit bündelt; Werbetreibende, die an Verkauf und Verpackung arbeiten, Bürokratien, die den status quo verwalten - all jenes sei nur einen Moment in produktive Tätigkeit umgedacht. Konkurrierende Konzerne, deren Produkte sich qualitativ nur graduell unterscheiden - welches Unmaß an menschlicher Arbeitskraft bindet all dies? Was braucht es wirklich an menschlicher Arbeit im Zeitalter der Nanotechnologie, um ein materiell würdiges Leben zu gewährleisten? Utopisch mag klingen, was nichts anders als die Grundlage des Marxschen Blicks ist.
Rückschreitender Fortschritt. Das gesellschaftliche Aroma von Hartz IV.
Es ist möglich geworden den Ablauf einer Lagerhalle vom heimischen PC zu steuern, ein Fußballfeld innerhalb einer historisch einmaligen Zeit abzuernten und die Preise von agrarischen Grundnahrungsmitteln werden in Europe in einem solchen Maße subventioniert, daß sie ohne Zuzahlung fast geschenkt zu haben wären. Erwarten könnte man ein fast paradiesisches Leben: Niemals zuvor in der Geschichte der Zivilisationen waren die technischen Möglichkeiten so weit fortgeschritten wie heute; sie könnten eine Welt ohne Hunger und Elend ermöglichen. Die biblische Paradiesvorstellung stellt mittlerweile nur einen schalen Abglanz gegenüber des heute technisch machbaren dar. Wer bräuchte Milch und Honig, wenn die Lebensmittelabteilung eines Kaufhauses allen zur freien Verfügung stände?
Von Prekariat, Unterschicht, Subproletariat und dem Wunsch nach neuem Biedermeier
Im Prekariat steckt precarium , "ein bittweises, auf Widerruf gewährtes Besitzverhältnis". Anders gesagt: Aus Recht wird Gnade. Vom Menschenrecht auf erfülltes Leben, auf Glück, bleibt die Gnade des Dankes nicht an Hunger leiden zu müssen - immerhin mehr als ein großer Teil der Afrikaner heute von sich sagen kann - dennoch haftet dieser Gnade unerträgliches in einer Gesellschaft an, die, gemessen am Stand der Technik, so viel mehr könnte.
Das Subjekt im Marxismus - Berührungen zwischen kritischer Theorie und Sartres Existentialismus. Zum 100. Geburtstag von Jean-Paul Sartre.
Mit geducktem Körper in schwarzer Kleidung durch die Wüste gehend: Dieses Bild von Jean-Paul Sartre ging als Gleichnis des Intellektuellen um die Welt: in Einsamkeit denkend, die Last der Ungerechtigkeit der Welt auf den Schultern. Das Bild des kleinen Mannes mit der dicken Brille, dem häßlichen Gesicht und der knarrenden Stimme ist unabdingbar mit einer ganzen Epoche des vergangenen Jahrhunderts verknüpft. Vom Ende der deutschen Besatzung bis zur den Nachwehen der 68'er Bewegung hat kein anderer Mensch das Bild des engagierten Intellektuellen stärker geprägt als Jean-Paul Sartre. Am 21. Juni 2005 wäre er 100 Jahre alt geworden.
Sartre und Israel - Teil 1. Die Folgen von Auschwitz - Vor der Gründung Israels.
Sartre hatte ein seltsames Kunststück vollbracht: Er wurde von palästinensischer Seite ernst genommen und geachtet und ebenso von jüdischer. Und dies trotz seiner kaum faßbaren Radikalität - es war derselbe Sartre der Verständnis für die Geiselnehmer von München 1972 äußerte und den Palästinenser ein Recht auf Widerstandes einräumte, derselbe Autor der "Überlegungen zur Judenfrage", derselbe der 1975 gegen die UN-Resolution, die Zionismus mit Rassismus gleichsetzte, heftigst protestierte und schrieb: Rassismus ist die Frage, worauf sich der Zionismus gründet. In Zeiten, da sich die politische Wirklichkeit entwurfs- und utopieloser denn je zeigt, lohnt ein Rückblick auf die Positionen Sartres und darauf, wie er denn das Kunststück fertig brachte, trotz seiner Akzeptanz der politischen Gewalt ein gehörter und geachteter Diskutant von Palästinensern und Israelis zu bleiben.
Von der Hysterie zur Depression. Über den Wandel psychologischer Krankheiten. Bemerkungen zu Alain Ehrenbergs "Das erschöpfte Selbst. Depression und Gesellschaft in der Gegenwart."
Fast unbemerkt hat sich das Bild der großen psychischen Krankheiten gewandelt: Die Hysterie hat ihren Zenit überschritten, an ihre Stelle tritt die Depression. Es ist nicht der geringste Verdienst Alain Ehrenbergs, den Diskurs der Sozialpsychologie an dieser Stelle wiederaufgenommen zu haben.
Kulturindustrie als Massenbetrug. Zur Entstehungsgeschichte der Kulturtheorie der kritischen Theorie..
Kritische Theorie stellte stets die Frage ums gesellschaftliche Ganze, um den Zusammenhang zwischen Barbarei und Zivilisation, zwischen möglichem Glück und tatsächlicher Herrschaft. Ihre zentrale Frage bestand in der Analyse des Zusammenhang zwischen Kultur und Barbarei und darin zu fragen, warum die ausgebreitete Zivilisation so weit von der Verwirklichung dessen entfernt ist, was Kultur bis heute nur vergebens versprach, nämlich das es keinen Hunger mehr auf der Welt gibt.
30 Jahre KONKRET mit Gremliza. Viel Feind, viel Ehr' - eine Eloge.
Seit nunmehr 30 Jahren dominiert in der KONKRET ein Mann das publizistische Geschehen: Herman L. Gremliza. Jetzt feiert er Dienstjubiläum. Der Sohn eines Mercedes-Direktors schlug eine in der BRD einzigartige linke Karriere ein, obwohl für ihn als Kind aus nicht gerade ärmlichem Haus eigentlich höhere Bananen bereithingen.
Alles beim Alten: Die SPD blinkt am Scheideweg. Die Neuauflage der Inszenierung des Lehrstücks der Sozialdemokratie.
Der SPD - glaubt man der Berichterstattung - könnte gegenwärtig eine ihrer schwersten Krisen der Nachkriegszeit drohen. Viele Mitglieder machten auf dem Bochumer Parteitag deutlich, daß sie mit dem bisherigen Führungskurs ihrer Partei nicht zufrieden sind. Ihr Generalsekretät, Olaf Scholz, regte sogar an, die Formulierungen von der "Sozialen Gerechtigkeit" und dem "Demokratischen Sozialismus" aus dem Parteiprogramm zu streichen. Doch die SPD hat schon schlimmeres überlebt. Leider.
Vorbewußte Revolte. Die Pariser riots.
Frankreichs Innenminister Sarkozy hat sie als "Abschaum und Gesindel" bezeichnet und genauso reagieren die Jugendlichen der Pariser Vorstädte. Sie erfüllen jetzt, wofür sie die französischen konservativen Eliten immer gehalten haben. Ihr Beitrag dazu war der Aufschrei der Gewalt, der sagte: Nun sind wir tatsächlich das, wozu ihr uns gemacht habt.
mit Hawel, Marcus und Heins, Oliver: Einladung zum Tanz. Arbeitsprogramm der Sozialistischen Positionen.
Die gegenwärtige Umwältzung des Produktionsprozesses erfordert die Revision der sozialistischen Theorie. Eine Erweiterung der zentralen Begriffe ist unumgänglich. Die Herausgeber der Sozialistischen Positionen stellen ihr Arbeitsprogramm vor.